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    Beispiele für aktuelle Vorhaben und Erfolge

    Nationale und internationale Unternehmen haben schon seit einiger Zeit biotechnologische Verfahren in ihren Produktionsablauf fest integriert. Sie engagieren sich in der Forschung und Entwicklung weiterer Methoden und investieren dafür etliche Millionen Euro pro Jahr. Die steigenden Umsätze mit biotechnologisch erzeugten Produkten geben ihrem (Um-)Denken recht. So belief sich der weltweite Umsatz an Produkten der Industriellen Biotechnologie im Jahr 2010 auf 125 Milliarden Euro, was einem Anteil von 10 Prozent des Gesamtumsatzes der Chemischen Industrie entspricht.

    Mehr aktuelle Entwicklungen und interessante Neuigkeiten finden Sie unter der Rubrik "Nachrichten".

     

    Nationale Aktivitäten und Erfolge

    AMSilk, ansässig in Martinsried bei München, entwickelte einen Prozess um Biopolymere wie z. B. Spinnenseide großtechnisch herzustellen. Die an der TU München entwickelte Technologie kann speziellen Kundenbedürfnissen angepasst werden.

    BASF SE ist mit der biobasierten Produktion von jährlich ca. 1.000 Tonnen einer der weltweit führenden Produzenten von Vitamin B2 (= Riboflavin, Stand 2008). Im Jahr 2007 hat die BASF mit Produkten, die ganz oder teilweise mit biotechnologischen Verfahren hergestellt werden, einen Umsatz von ungefähr 300 Millionen Euro erzielt. Außerdem startete das Unternehmen 2006 die F&E-Initiative „Wachstumscluster Industrielle Biotechnologie“ mit einem Investitionsvolumen von 160 Millionen Euro.
    BASF will zusammen mit Purac, ein Tochterunternehmen von CSM, führender Anbieter für biobasierte Bernsteinsäure werden. Gerard Hoetmer, Vorstandsvorsitzender von CSM, erläutert in der gemeinsamen Pressemitteilung vom 1. August 2011: „[…] Wir beabsichtigen mit einer 25.000 Tonnen Fermentations-Anlage […] erster industrieller Anbieter von Bernsteinsäure zu werden. Die Anlage soll spätestens 2013 in Betrieb genommen werden“.

    Aktuell plant die Evonik AG den Bau einer Anlage zur Herstellung von Katalysatoren für die Biodieselproduktion in Argentinien. Spätestens ab Ende 2012 soll die Anlage gebrauchsfertige Alkoholate als Katalysatoren für die Produktion von Biodiesel aus nachwachsenden Rohstoffen liefern. Eine der ersten Initiativen von Evonik für die Industrielle Biotechnologie war das „Science-to-Business Center Biotechnology“ (Investitionsvolumen: 50 Millionen Euro) und wurde bereits 2007 in Marl eröffnet.

    Die Hoechst AG (jetzt Sanofi-Aventis S.A.) stellte seine chemische Produktion von 7-Aminocephalosporansäure Mitte der 1990er Jahre auf die effizientere biotechnologische Produktion um.

    Lanxess investiert 10 Millionen US Dollar in den amerikanischen Biokraftstoff- und Biochemiehersteller Gevo um in Kooperation Isobuten für Butylkautschuk aus erneuerbaren Ressourcen herzustellen.

    Die Süd-Chemie AG betreibt am Forschungsstandort München seit 2009 eine Pilotanlage zur Herstellung von Bioethanol der zweiten Generation aus Lignocellulose-haltigen (Agrar-)Reststoffen. Eine Demonstrationsanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen Ethanol pro Jahr soll Anfang 2012 in Straubing in Betrieb gehen.

    Die Südzucker AG betreibt im Segment CropEnergies u. a. eine der größten Bioethanolanlagen Europas der „ersten Generation“ (in Sachsen-Anhalt), mit einer Jahreskapazität von 360.000 m3 Bioethanol.

    Das größte bayerische Chemieunternehmen Wacker Chemie AG produziert im Bereich „Wacker Biosolutions“ mit biotechnologischen Methoden u. a. Cystin, Cystein und Cyclodextrine. 2010 erwirtschaftete der Bereich einen Umsatz von 142 Millionen Euro. Wacker betreibt hier auch eine Anlage zur Konversion von Bioethanol zu Acetat durch das proprietäre Aceo®-Verfahren. Wacker befindet sich im südöstlichen „Bayerischen Chemiedreieck“ mit 25 Unternehmen, ca. 25.000 Beschäftigten und mit über 8 Milliarden Euro Umsatz jährlich.


    Internationale Aktivitäten und Erfolge

    Braskem ist ein brasilianisches Unternehmen, welches ein Verfahren entwickelte, mit dem es Bio-Polyethylen herstellen kann. Eine Anlage für die Produktion von 200.000 Tonnen Bio-Polyethylen pro Jahr hat 2010 seine Pforten geöffnet. Eine weitere Anlage zur Produktion von Bio-Polypropylen ist für 2013 in Planung.

    Cargill NatureWorks LLC ist ein führender Hersteller von Biopolymeren aus PLA (= Polymilchsäure). Bereits 2003 wurde eine Milchsäure-verarbeitende Fabrik in Nebraska, USA, eröffnet, mit einer Kapazität von 140.000 Tonnen pro Jahr.

    Eines der geplanten Projekte vom weltweit agierenden Unternehmen Dow Chemicals ist eine 350.000 Tonnen Anlage in Brasilien für die Produktion von Bio-Polyethylen, um daraus Biopolymere herzustellen.

    Dupont forscht gemeinsam mit BP an der Produktion von Bio-Butanol aus Lignocellulose. Zusammen mit Tate & Lyle stellt Dupont Bio-1,3-Propandiol für biobasiertes PTT (Polytrimethylenterephthalat) her, welches als Biopolymer in diversen Bereichen verwendet werden kann.

    Genencor stellt fermentatives Isopren für Kautschuk her und beliefert damit u. a. auch Goodyear.

    Genomatica und Novamont haben im August 2011 ein Joint Venture über den Bau einer Bioraffinerie geschlossen. Darin soll Genomatica’s Bio-Butandiol hergestellt, und in Novamont’s Bioplastik-Produkten verwendet werden. Die Bioraffinerie soll Ende 2012 in Betrieb gehen.

    Pfizer stellt mittels biotechnischer Verfahren Ethyl(S)-4-chlor-3-hydroxybutyrat, eine Vorstufe des Atorvastatins, her. Dieser Cholesterinsenker mit dem Handelsnamen Lipitor/Sortis hat 2010 einen Umsatz von 11,8 Milliarden US Dollar eingebracht und ist damit Pfizers umsatzstärkstes Medikament.

    Roquette und DSM gründeten 2010 ein Joint Venture für die Produktion biobasierter Bernsteinsäure. Als Plattformchemikalie soll die Bernsteinsäure zu Butandiol, Polyurethanharzen und Biopolymeren, wie z. B. Polybutylensuccinat, weiterverarbeitet werden.

     

    Stand: Dezember 2011

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