Potentiale der Industriellen Biotechnologie
Für die Zukunft sind viele neue Anwendungsgebiete der Industriellen Biotechnologie denkbar, auch in bisher noch nicht bzw. nur wenig „biologisierten“ Branchen. In Bayern fallen darunter beispielsweise die Automobil-, die Bau-, die Luft- & Raumfahrt- und die Sport- & Freizeitindustrie.
Dabei können bestehende Prozesse häufig ganz oder zum Teil übernommen werden, z. B. die Umwandlung biotechnologisch hergestellter Plattformchemikalien, wie Bioethanol, mit chemischen Methoden zu Polymerausgangsstoffen (Ethen, Acetat). Die Industrielle Biotechnologie vermag aber nicht nur chemische Produkte nachzustellen, sondern ermöglicht auch innovative Produkte mit ganz neuen, erwünschten Eigenschaften.
Dies verleiht der Industriellen Biotechnologie eine enorme Flexibilität und Attraktivität auch für die Zukunft.
Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) geht in Ihrer jüngsten Studie zur Bioökonomie davon aus, dass im Jahr 2030 bis zu 35 Prozent der weltweit produzierten Chemikalien und andere industrielle Produkte biotechnologisch hergestellt werden. Die voraussichtlichen Anteile der biotechnologisch produzierten Güter an der gesamten Wertschöpfung sieht die OECD wie folgt:
Außerdem wird angenommen, dass im Jahr 2030 Produkte der Biotechnologie bis zu 2,7 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) der OECD-Länder betragen werden. Bei einem geschätzten BIP der OECD-Länder von 105,1 Billionen US Dollar (2,7 Prozent = 2,9 Billionen US Dollar) bedeutet dies für den Anteil biotechnologisch hergestellter Güter:
- 1,1 Billionen US Dollar im Bereich Industrie,
- 1,0 Billionen US Dollar im Bereich Landwirtschaft und
- 0,8 Billionen US Dollar im Bereich Medizin.
Die Industrielle Biotechnologie kann somit eine der volkswirtschaftlich tragenden Technologien dieses Jahrhunderts werden. Ob Deutschland, und insbesondere Bayern, es schafft, eine Vorreiterrolle wahrzunehmen, globaler Technologieführer auf diesem Gebiet zu werden und damit Wachstum und Arbeitsplätze in Deutschland zu kreieren, hängt auch von der Politik ab, die dafür günstige Rahmenbedingungen schaffen muss.
Stand: Dezember 2011
